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Eine kurze Geschichte des Denkens

 

Schädel ses Anthropitecus dingsbumsiensis

Anthropitecus dingsbumsiensis

Wann, was und vor allem warum in der langen Menschheitsgeschichte das erste Exemplar des Anthropitecus dingsbumsiensis zum ersten Mal gedacht hat, vermag heute kein Mensch mehr genau zu sagen. Fest steht allerdings eines: Adam und Eva konnten noch nicht gedacht haben, denn sonst hätten sie sich nicht von einer sprechenden Schlange - eine sprechende Schlange, das muß man sich mal vorstellen, so ein Quatsch! - zum Äpfelpflücken überreden lassen und sie wären heute noch im Paradies. Aber irgendwann in grauer Vorzeit muß es gewesen sein, als das erste Exemplar des besagten Anthropitecus dingsbumsiensis morgens die Augen aufschlug und nach wenigen Sekunden überrascht feststellte: "He, Moment mal, ich kann ja denken. Aha, also dafür habe ich also meinen Kopf und nicht nur, damit ich ihn mir jedesmal beim Rein- und Rauskriechen am niedrigen Höhleneingang anstoßen muß." Was dann weiter mit ihm geschah und was da im Laufe der Jahre an Gedanken so durch seinen Schädel rauschte, ist ebenfalls nicht überliefert.
Dennoch muß er diese Erkenntnis an seine unmittelbaren Nachfahren (die viele Generationen lang auch alle noch solche dingsbumsiense Anthropiteci waren) genetisch weitergegeben haben, bis dann nach vielen Jahrhunderten des noch relativ rudimentären Denkens, das sich hauptsächlich auf Nahrungsaufnahme und Vermehrung bezog, plötzlich einer der Nachfahren in sich ging und dabei feststellte: "Ups, ich bin ja gar kein Anthropitecus dingsbumsiensis mehr, sondern ein richtiger Homo", allerdings zu jener Zeit noch nicht wissen könnend, daß spätere Anthropologen oder Paläontologen oder wer immer dafür zuständig war ihm dafür sogar den Zusatz 'sapiens' verleihen würden, welcher aber bis zum heutigen Tage ein wenig übertrieben erscheint und 'stupidus' den wahren Sachverhalt wesentlich genauer beschriebe.
Danach folgten dann einige Jahrzehntausende, in denen die Kinder, Kindeskinder (bis hin zu den Kindeskindeskindeskindern usw.) des Homo sapiens mehr oder weniger unkontrolliert vor sich hin und in der Gegend herumdachten, wobei viel Unsinn herauskam. Mit der Zeit bildeten sich mehr oder weniger aus dem Nichts Fürsten und Schamanen (aus denen dann später die Politiker und Päpste hervorgingen), die sehr daran interessiert waren, diesen Unsinn zu verbreiten sowie das allgemeine Denken und besonders das Nachdenken des Volkes in sehr engen, auf ihre eigenen Interessen gerichteten Grenzen zu halten, was ihnen auch mühelos gelang.
Mittlerweile war jedoch das Zeitalter der Aufklärung über die Menschheit hereingebrochen, eine Art Schulsystem wurde eingeführt und den jüngeren Menschen wurde - zunächst mit Hilfe des Rohrstocks, später mittels Argumenten - eingeredet, daß die Erde nicht nur keine Scheibe ist, sondern sich sogar um die Sonne dreht, worüber man allgemein zwar sehr lange nachdachte, es aber schließlich akzeptierte. Zwar drehten sich derweil die Gedanken der meisten Exemplare des Homo sapiens immer noch fast ausschließlich um Nahrungsaufnahme und Vermehrung, aber mehr und mehr Individuen dachten und dachten und dachten, bis ihnen die Köpfe rauchten, was zusätzlich noch dadurch unterstützt wurde, daß inzwischen die Tabakspfeife aus Amerika importiert worden war.
Nachdem schließlich vor gar nicht allzu langer Zeit jemand mehr oder weniger zufällig die Dampfmaschine und ein anderer die Elektrizität entdeckt hatte, gab es kein Halten mehr, und schon wenige Jahre später hatte sich aus der Verbindung von Elektrizität und Dampfmaschine das Fernsehen entwickelt. Diesem gelang es dann mühelos, das Denken der Menschen auf dasjenige Minimum zu reduzieren, welches sich ab diesem Zeitpunkt auf Nahrungsaufnahme, Vermehrung plus Fernsehen konzentrierte, drei Grundtätigkeiten, die unter der Abkürzung FFF allgemein bekannt wurden.
Und da zum Fernsehen ein Bildschirm benötigt wurde und es diesen nun gab, war es von dort bis zum Computer und zum Navigationssystem nur noch ein kleiner Schritt für die Menschheit.
Jetzt brauchte man eigentlich überhaupt nicht mehr selber zu denken, aber trotzdem konnten es einige wenige Exemplare des Homo sapiens nicht zur Gänze unterdrücken, obwohl ein gewisser Gottfried Benn ausdrücklich festgestellt hat: "Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück!" Leider haben in unserer modernen Zeit aber nicht alle Menschen Arbeit oder zumindest keine, die sie allein mit Dummheit ausüben können. Ganz besonders diese bedauernswerten Geschöpfe leiden deshalb bis heute stark unter dem Fluch des Denkens, das seinerzeit dem Anthropitecus dingsbumsiensis zum ersten Mal passierte, und sind ständig unglücklich.

 

Sie dürfen sich die nebenstehende Geschichte natürlich kostenlos zu Ihrem persönlichen Gebrauch herunterladen:
DATEI-LINK: geschichte_des_denkens.pdfgeschichte_des_denkens.pdf
20 KB, 1 Druckseite

Aber wehe, Sie verkaufen Sie für viel Geld an irgendeine Zeitschrift! Dann gibt's Ärger!


Hannes Wader singt für Sie: Die Gedanken sind freiHören Sie hier zu Ihrer Erbauung Hannes Wader mit der ersten Strophe eines bekannten Volkslieds, in dem er Ihnen ausdrücklich bestätigt, daß Ihre Gedanken nunmehr frei sind (d. h. nicht mehr in Ihrem Kopf) und trotzdem kein Jäger sie erschießen kann.


Der Unterschied zwischen maskulinem und femininem Denken
Männer schauen Frauen auf den Hintern und denken: "Boah, ein Riesenarsch!" Das denken Frauen auch, nur daß sie den Männern dabei ins Gesicht schauen!


Auszug aus KNAUR - Das deutsche Wörterbuch:
den|ken (hat gedacht) I (mit Akk.) 1 in seinen Gedanken bewegen; Gutes, Schlechtes d. 2 glauben, meinen, annehmen; ich denke, daß wir in einer halben Stunde da sind; denkst du, daß du es besser kannst?; wer hätte das gedacht!; ich hätte niemals gedacht, daß...; denkste! (ugs. eigtl.) das hast du dir so gedacht (es ist aber nicht so)! 3 sich vorstellen; wenn ich denke, wie wir damals darüber gelacht haben, und heute... 4 beabsichtigen; ich denke morgen dort zu sein; ich denke einen langen Schlaf zu tun II (o. Obj.) 1 seinen Verstand gebrauchen, richtig, falsch gedacht; das gibt mir zu d. das macht mich nachdenklich 2 eine bestimmte Gesinnung haben; rechtlich, freiheitlich, edel niedrig d. 3 eine bestimmte Meinung haben; ich denke (darüber) genau wie du, anders als du III (mit Präp.obj.) an etwas oder jmdn d. seine Gedanken auf etwas oder jmdn. richten; hast du schon daran gedacht, zu ...?; bitte denk an die Theaterkarten! vergiß die Theaterkarten nicht! IV (mit Dat. (sich) und Akk.) sich etwas d. 1 sich etwas vorstellen; das kann ich mir d.; kannst du dir d. was er damit gemeint hat? 2 sich Gedanken über etwas machen; ich habe mir nichts Böses dabei gedacht; ich möchte wissen, was der Architekt sich gedacht hat, als er dieses Haus gebaut hat.
Den|ker jmd., der über das Leben, die Welt und die Menschen viel nachdenkt, Philosoph.



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